Woyzeck

Dezember 23, 2010 at 9:57 pm Hinterlasse einen Kommentar

Woyzeck ist ein Dramenfragment des deutschen Dramatikers und Dichters Georg Büchner. Büchner begann vermutlich zwischen Juni und September 1836 mit der Niederschrift. Bei seinem frühen Tod im Jahr 1837 blieb das Werk als Fragment zurück. Das Manuskript ist in mehreren Entwurfsstufen überliefert. Im Druck erschien Woyzeck erstmals 1879 in der stark überarbeiteten und vom Herausgeber veränderten Fassung von Karl Emil Franzos. Woyzeck wurde am 8. November 1913 im Residenztheater München uraufgeführt.

Büchners Werk gehört zu den meistgespielten und einflussreichsten Dramen der deutschen Literatur. Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, viele Male neu interpretiert und inspirierte zahlreiche Künstler zu eigenen Werken.
(Quelle: wikipedia)

1 Zusammenfassung und Deutung der Szenen
2 Vermögensstand von Woyzeck und Marie
3 Marie und der Tambourmajor
4 Biedermeier
5 Pauperismus
6 Nihilismus
7 Ursachen für den Mord
8 Besonderheiten
9 Form des Dramas


1 Zusammenfassung und Deutung der Szenen

Szene Zusammenfassung
1 Woyzeck und Andres schneiden Sröcke im Gebüsch. Die Bedeutung die den Stöcken zukommt ist unbekannt, da die beiden Soldaten sind, ist es wahrscheinlich, dass sie für Prügelstrafen wie den Spießrutenlauf eingesetzt werden sollen.Plötzlich hat Woyzeck Wahnvorstellungen, die von seiner Psychose herrühren. Er stellt sich vor auf einem Richtplatz zu stehen, die scheinbaren Gefahren die damit verbunden sind (böses Omen einen abgeschlagenen Kopf zu finden…) führt er auf die Geheimorganisation der Freimaurer zurück.Andres singt ein Volkslied um ihn zu beruhigen, was ihm jedoch nicht gelingt. Schließlich bekommt auch er Angst.

Weiter stellt sich Woyzeck das jüngste Gericht vor (siehe Neues Testament; Offenbarung des Johannes).

Andres reißt ihn schließlich ins Gebüsch, was dessen Wahnvorstellungen beendet.

Der Zapfenstreich („Sie trommeln drin“), der das Zeichen für die Soldaten in ihre Quartiere zurückzukehren ist, beendet die erste Szene.

2 Marie steht mit ihrem Kind und ihrer Nachbarin Margreth am Fenster und schaut sich den vorbeiziehenden Zapfenstreich, mit dem Tambourmajor an der Spitze an.Marie bewundert den Tambourmajor, was der Nachbarin Anlass gibt sie auf ihre unehrbaren Familienverhältnisse (Kind ohne Segen der Kirche) hinzuweisen. Ein Stzreit folgt und Marie versucht sich und ihr Kind zu beruhigen, indem sie ihm ein Lied vorsingt.Plötzlich klopft es am Fenster und Woyzeck erscheint. Marie bittet ihn herein, doch er entgegnet dass er noch zum Zählappell in die Kaserne müsste und berichtet ihr stattdessen von senen Wahnvorstellungen.

Danach verschwindet er sofort wieder und hinterlässt eine verstörte Marie.

3 Woyzeck und Marie besuchen einen Jahrmarkt und lassen sich von einem Spielmann fesseln, der über den Unterschied von Mensch und Kreatur philosophiert und die Zuschauer zu einer Demonstration einlädt.In der Zwischenzeit unterhalten sich der Tambourmajor und ein Unteroffizier über Maries feminine Ausstrahlung, sie folgen ihr und Woyzeck zur Vorstellung des Spielmanns.Während der Vorstellung fragt der Spielmann nach einer Uhr, die ihm der Unteroffizier anbietet. Derselbe hilft anschließend Marie einen besseren Platz zu bekommen.
4 Marie sitzt mit ihrem Kind auf dem Schoß in ihrer Kammer und betrachtet sich in einem Stück Spiegel.Ihr Kind stört sie dabei, sie weist es an zu schlafen und droht ihm mit dem „Schlafengelchen“, einem Kinderschreck, wenn es nicht gehorcht.Im Spiegel betrachtet sie ihre Ohrringe, die aller Wahrscheinlichkeit ein Geschenk des Tambourmajors sind. Als Woyzeck erscheint versucht sie sie zu verstecken, was ihr jedoch nicht gelingt. Sie gibt vor sie hätte die Schmuckstücke gefunden, was Woyzeck jedoch bezweifelt. Er hakt jedoch nicht weiter nach, sondern gibt ihr seinen Lohn und geht dann wieder.

Marie, die nun alleine ist plagt ein schlechtes Gewissen.

5 Woyzeck rasiert den Hauptmann, welcher sich über Woyzecks gehetzte Art aufregt. Er drückt seine Überlegenheit gegenüber Woyzeck aus indem er sich über ihn lustig macht.Woyzeck geht auf die Bemerkungen des Hauptmanns jedoch nicht ein, bis dieser ihm schließlich vorwirft keine Moral zu besitzen, da sein Kind ohne den Segen der Kirche ist.Zu seiner Verteidigung verweist Woyzeck auf die Lehren Jesu, was der Hauptmann jedoch als „kurios“ abtut.

Woyzeck versucht dem Hauptmann zu erklären dass er es sich nicht leisten kann tugendhaft zu sein, derartige Privilegien seien nur der höheren Gesellschaftsschicht zugänglich.

Um das Gespräch zu beenden weist der Hauptmann ihn an nicht so viel zu denken und schickt ihn dann raus.

6 Marie und der Tambourmajor begegnen sich. Der Tambourmajor bekundet offen sein Interesse an ihr.Marie scheint zwiegespalten, als der Tambourmajor sie anfasst macht sie Anstalten sich zu wehren, lässt es dann jedoch zu.
7 Woyzeck stellt Marie zur Rede, er gibt vor sie mit dem Tambourmajor gesehen zu haben. Marie streitet das ab und versucht ihm einzureden es sei eine seiner Wahnvorstellungen.Woyzeck beharrt jedoch darauf sie gesehen zu haben, kann Marie aber nicht dazu bringen es zuzugeben. Marie beendet das Gespräch „keck“ mit einem zweideutigen Kommentar.
8 Woyzeck besucht den Doktor, der ihn als Versuchsperson benutzt. Für seine Studien braucht er jedoch den Urin von Woyzeck, was nicht mehr möglich scheint, da er Woyzeck an die Wand hat urinieren sehen.Woyzeck argumentiert, dass er nur einem natürlichen Drang gefolgt ist, was der Doktor wehement abtut, da er der Meinung ist der menschliche Wille könne die Natur beherrschen.Woyzeck versucht ihn erneut von seinem Argument der menschlichen Natur zu überzeugen, was der Doktor auf seine Psychose zurückführt. Er zeigt sich jedoch versöhnlich, da Woyzeck alle anderen strengen Bedingungen des Experiments eingehalten hat und verspricht ihm eine Zulage.
9 Der Hauptmann und der Doktor treffen sich auf der Straße. Nach einem kurzen Schlagabtausch kommt Woyzeck die Straße heruntergerannt.Der Hauptmann weist ihn sehr offen auf das Verhältnis von Marie und dem Tambourmajor hin, was Woyzeck sichtbar mitnimmt. Er bittet den Hauptmann keine bösen Scherze mit ihm zu treiben, worauf der Hauptmann nur meint, dass er nicht spaße.Der Doktor beobachtet während dem Gespräch Woyzeck, der immer weiter aus der Fassung gerät, genau und nennt laut die Anzeichen für Woyzecks Unsicherheit und Nervosität.

Aufgewühlt verlässt Woyzeck die beiden mit dem Vorsatz über das Gesagte nachzudenken.

10 Woyzeck und Andres haben Dienst in der Wachstube.Während Andres Volkslieder singt, wird Woyzeck zunehmend nervöser. In der Nähe scheint Musik in einem Wirtshaus gespielt zu werden, zu der Leute tanzen. Woyzeck findet keine Ruhe und geht zu dem Wirtshaus.
11 Woyzeck sellt sich an ein Fenster des Wirtshauses und beobachtet das Treiben. Während vor dem Wirtshaus zwei Handwerksburschen über die Bedeutung des Menschen predigen, sieht Woyzeck auf einmal Marie mit dem Tambourmajor tanzen.Woyzeck ist ziemlich durcheinander und besonders erschrocken über die Tatsache, dass Marie und der Tambourmajor am hellichten Tag und mitten in der Öffentlichkeit so miteinander umgehen, wie er es nur von sich selbst und Marie kennt.
12 Auf einem Feld führt Woyzeck Selbstgespräche.Aus dem Boden scheint ihm eine Stimme den Mord an Marie (Marie Zickwolf) zu befehlen.
13 Nachts weckt Woyzeck Andres, da er selbst nicht schlafen kann. Er höre immer noch die Stimme und die Tanzmusik aus dem Wirtshaus.Andres hat nichts für Woyzecks Phantastereien übrig und versucht wieder einzuschlafen.Da Woyzeck jedoch keine Ruhe gibt, rät Andres ihm Schnaps gegen das Fieber, was er für die Ursache von Woyzecks Wahnvorstellungen hält.
14 Woyzeck befindet sich zusammen mit dem angetrunkenen Tambourmajor in einem Wirtshaus.Der Tambourmajor fordert Woyzeck zum Trinken auf. da dieser jedoch nicht reagiert, ringt der Tambourmajor ihn nieder und verhöhnt ihn.Woyzeck setzt sich anschließend wieder zitternd und erschöpft zurück auf die Bank.
15 Woyzeck kauft bei einem jüdischen Händler eine Waffe. Da eine Pistole seine Verhältnisse übersteigt, entscheidet er sich für ein Messer, über dessen Wert er sich aber keine Gedanken macht.
16 In ihrer Kammer sucht Marie in der Bibel nach Textstellen, die ihrer fragwürdige Beziehung zu dem Tambourmajor ähnlich sind. Auf dem Boden liegt ein Narr, der Märchen vor sich hin erzählt, welche Ähnlichkeit mit „Rumpelstielzchen“ haben (Morgen hol ich der Frau Königin ihr Kind).Marie macht sich derweil Sorgen, dass Woyzeck seit „heute und gestern“ nicht dagewesen ist. Sie liest eine weitere Textstelle und versucht Buße zu tun.
17 In der Kaserne sortiert Woyzeck seine wenigen Sachen. Die meisten sind Erbstücke, Woyzeck selbst scheint nichts erworben zu haben, was auf große Armut schließt.Woyzeck verschenkt schließlich seine Besitztümer an Andres, der überrascht scheint und nicht weiß was er von all dem halten soll. Dann jedoch weist er Woyzeck an ins Lazarett zu gehen und schlägt noch einmal den Schnaps gegen das Fieber vor.
18 (diese Szene scheint dem Reclam-Lektüreschlüssel nach Szene 10 zu sein)Woyzeck befindet sich dem Doktor und dessen Studenten im „Hof des Professors“.Woyzeck assistiert dem Doktor bei dem Versuch mit einer Katze. Anschließend wird Woyzeck selbst als Versuchsobjekt betrachtet, der Doktor lässt ihn mit den Ohren wackeln, weist die Studenten auf seinen schlechten Zustand hin und lässt sie Woyzeck schließlich untersuchen wie ein Objekt.
19 Marie sitzt mit drei Kindern und einer Großmutter vor der Haustür. Die Kinder bitten Marie ihnen etwas vorzusingen, diese schlägt jedoch die Großmutter vor.Diese erzählt schließlich eine Geschichte von einem Kind, das ganz allein im Universum ist. Es muss erfahren dass alles tot ist, was dazu führt, dass es beginnt zu weinen.Woyzeck erscheint und fordert Marie auf zu gehen. Diese erschrickt und fragt wohin es denn gehe. Doch Woyzeck weiß es selber nicht.
20 Marie und Woyzeck sind draußen vor der Stadt. Marie möchte gehen, da es schon spät ist, doch Woyzeck hält sie zurück. Er verweist auf ihre Beziehung, die sich an Pfingsten zum zweiten Mal jährt.Woyzeck macht zweideutige Bemerkungen und zieht dann das Messer. Marie schreit um Hilfe, doch Woyzeck sticht mehrmals zu, bis sie stirbt.
21 Zwei Personen in der Nähe hören den Mord. Während die eine sich ängstigt, drängt die andere Person der Sache auf den Grund zu gehen.
22 Ausgelassen tanzt und singt Woyzeck im Wirtshaus. Er kommt Käthe näher, die jedoch das Blut an seinem Ellbogen bemerkt.Eine Menschentraube bildet sich um die beiden und fragt Woyzeck woher das ganze Blut sei. Dieser wird zunehmend nervöser und läuft dann hinaus.
23 Woyzeck hat Angst bekommen man könnte herausfinden dass er Marie umgebracht hat und kehrt zum Tatort zurück um die Mordwaffe zu beseitigen. Bei der Suche nach dem Messer führt er ein Selbstgespräch. Nachdem er die Waffe gefunden hat, läuft er weg.
24 Woyzeck versenkt die Tatwaffe in einem Teich, kommt dann aber mit sich überein dass er sie nicht weit genug weggeworfen hat und wirft sie noch weiter ins Wasser.Dann macht er sich daran das Blut an sich abzuwaschen.
25 (diese Szene scheint dem Reclam-Lektüreschlüssel nach Szene 23 zu sein)Kinder verbreiten die Nachricht von dem Mord an Marie. Sie beschließen zum Tatort zu gehen.
26 Ein Gerichtsdiener, ein Arzt und ein Richter unterhalten sich über den Mord.
27 Die Schlussszene zeigt Woyzeck, sein Kind und den „Idioten“ Karl. Karl spielt auf Woyzecks nasse Sachen an (Der is ins Wasser gefalln), während Woyzeck versucht sein Kind liebzukosen. Auch mit dem Angebot eines Reuters (Lebkuchen) kann er das Kind nicht auf seine Seite ziehen, was dazu führt, dass Woyzeck Karl das Geld für den Reuter gibt.

2 Vermögensstand von Woyzeck und Marie

Die finanzielle Lage Woyzecks ist ein möglicher Grund für seine Psychose und den Mord. Woyzeck redet oft von seiner Armut und auch Marie leidet darunter, was folgende Szenen deutlich zeigen:

Szene 4
– „Unsereins hat nur ein Eckchen in der Welt.“ (11/ 7-8) — Marie
– „Ich bin nur ein arm Weibsbild.“ (11/ 11-12) — Marie
-> Marie sieht ihre Armut selbst ein
-> sie scheint verzweifelt, da sie bereits Selbstmitleid äußert
– „Wir arme Leut!“ (11/ 27) — Woyzeck
-> auch Woyzeck sieht die Armut ein, beide sind sich also dessen bewusst und versuchen es nicht zu verdrängen
– „Da is wieder Geld, Marie, die Löhnung und was von mein’m Hauptmann.“ (11/ 27-29) — Woyzeck
-> jedes bisschen Geld das sie bekommen scheint ihnen wertvoll zu sein

Szene 5
– „Wir arme Leut!“ (13/ 8)— Woyzeck
-> Woyzeck sagt immer wieder den selben Satz
– „[…] Geld, Geld. Wer kein Geld hat.“ (13/8-9) — Woyzeck
-> das Geld-Problem scheint für Woyzeck sehr präsent zu sein, es scheint ihn innerlich aufzufressen. Aus seinen Worten spricht die Verzweiflung.

Szene 8
– „Das Geld für die Menage kriegt mei Frau.“ (16/ 29-30) — Woyzeck
-> er behält das Geld für seine persönliche Verpflegung nicht für sich. Er teilt es mit der ganzen Familie.

Szene 15
– „das Pistolche ist zu teuer.“ (23/ 11) — Woyzeck
-> unklar inwiefern die Pistole seine Verhältnisse übersteigt, da kein Preis genannt wird
– „Zwee Grosche. | Da! | Da! Als ob’s nichts wär. Und s’ist doch Geld.“ (23/ 19-21) — Jud | Woyzeck | Jud
-> Der Aussage des Verkäufers nach soll sich Woyzeck geradeaus verschwenderisch verhalten haben, was im Gegensatz zu den vorherigen Textstellen steht. Seine Mordlust scheint über seinen Geldsorgen zu stehen. Der Wert des Messers ist zudem mit Woyzecks Tageslohn gleichzusetzen, siehe dafür diese Stelle: (15/ 10-11).
Somit kann man das Messer in Bezug auf Woyzecks finanzielle Lage als größere Investition bezeichnen.

Szene 17
– „Das Kamisolche […] du kannst’s brauche, Andres. Das Kreuz is meiner Schwester und das Ringlein, ich hab auch noch ein Heiligen, zwei Herzen und schön Gold, es lag in meiner Mutter Bibel.“ (24/ 16-19) — Woyzeck
-> Woyzeck zählt seine Habseligkeiten auf. Es scheinen allesamt Erbstücke zu sein, ihm scheint nichts direkt zu gehören, was auf ein bisher unerfolgreich verlaufenes Leben schließen lässt.

3 Marie und der Tambourmajor

Marie hat einige Wünsche und Sehnsüchte, die ihr Woyzeck nicht erfüllen kann. Dafür springt der Tambourmajor ein, mit dem Marie eine Affäre eingeht. Die Gründe dafür und die Entwicklung werden besonders in den folgenden Szenen deutlich:

Szene 2

– Marie muss Hohn der Nachbarin ertragen (uneheliches Kind) (7/ 13-14)
– Marie hat Angst vor Woyzeck (aufgrund der Psychose) (8/ 10-14)
– der Tambourmajor macht Eindruck auf sie (Sicherheit, Kraft: „Er steht auf seinen Füßen wie ein Löw.“ (7/ 4))

Szene 3
– Annäherung aus einer Offensive Maries heraus (10/ 23)

Szene 4
– Marie zeigt, dass sie für Äußerlichkeiten (Schmuck, Aussehen) empfänglich ist (11/ 7-15)
– das Geschenk des Tambourmajors (Ohrringe) lässt sie an ein besseres Leben denken
– im Kontrast zu ihren Gedanken kommt Woyzeck mit seinem spärlichen Lohn
-> Scham: „Ich bin doch ein schlecht Mensch.“ (11/ 32-22) — Marie

Szene 14
– Tambourmajor wird seiner Rolle als starker Krieger gerecht, als er Woyzeck bezwingt
-> er verdrängt Woyzeck von Maries Seite

=> Marie wünscht sich ein besseres Leben und einen starken Mann, der sie beschützen und ernähren kann. Dabei lässt sie sich sehr von Äußerlichkeiten beeinflussen. Der Tambourmajor erfüllt als Kontrastfigur zu Woyzeck ihre Wünsche.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse kann man folgendes Beziehungsschaubild entwickeln:

Tambourmajor Marie Woyzeck
– Mann „wie ein Baum“ (7/ 3)
– Stand „wie ein Löw“ (7/ 4)
– finanziell besser gestellt
-> kann Luxus bieten
– Zuneigung/ Zärtlichkeiten + sexuelle Befriedigung
– realistisch und pragmatisch
– sehnt sich nach einem richtigen Mann:
– kräftig
– selbstbewusst
– beschützend (Fürsorge)
– werbend
– ihre Attraktivität beachtend
– Interesse an ihr
– Luxus
– Zärtlichkeiten/ körperliche Nähe
– realistische/ pragmatische Einstellung
– nicht wie ein Mann:
– verängstigt (nicht selbstbewusst
– beachtet Marie zu wenig (emotionale Nähe)
– schwach (sozial und körperlich)
– geistig nicht leitungsfähig (einfältig)
– geistig krank (verwirrt, abwesend)

Marie – Tambourmajor:
– wird angezogen
– vom Schein geblendet

Marie – Woyzeck:
– wird nicht mehr angezogen
– fühlt sich von ihm nicht beachtet

Tambourmajor – Woyzeck:
– Erniedrigung/ Isolierung Woyzecks

4 Biedermeier

–          Zeit des Vormärz/ der Restauration (1815 – 1848)

–          staatspolitische Entwicklung nach dem Ende der napoleonischen Kriege

–          Rückzug des Bürgertums in das Private als Reaktion auf die restaurativen Verhältnisse

->    Entstehung einer eigenen Kultur und Kunst des Bürgertums

–          strenge Zensur und Beschneidung bürgerlicher Freiheiten

–          das häusliche Glück verdrängt den Drang nach Repräsentation

->    Gemütlichkeit, Stammtisch, Kaffeekränzchen

–          patriarchalische Familienstruktur

–          Kind und Erziehung im Vordergrund

5 Pauperismus

–          katastrophale Massenarmut zur Zeit der Frühindustrialisierung (1830er/ 40er Jahre)

–          starkes Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Missernten

–          selbst Kinder arbeiten den ganzen Tag in Fabriken

–          moralische Abstumpfung

–          Ernährung von Müll weil man sich nichts anderes leisten kann

–          Kindermorde nehmen zu, da die Mütter nicht wissen wie sie sie ernähren sollen

–          Betroffenen leben in „schlechten Vierteln“

->    mitunter 2500 Menschen in 400 Gemächern

->   mehrere Familien in einem Raum (durch Seile getrennt)

->    große Familien werden nicht geduldet (nur bis zu 3 – 4 Personen)

6 Nihilismus

Die Zeit, in der das Drama spielt, ist vom beginnenden Nihilismus bestimmt:

Definition:

–          Verneinung jeglicher Seins-, Erkenntnis-, Wert- und Gesellschaftsordnung

–          Zeitströmung, die aus dem Bewusstsein der Aufklärung resultiert

–          umgangssprachlich: Verneinung aller positiven und negativen Ansätze

–          Verneinung von:

->    Sinn des Lebens

->    Sinn der Weltgeschichte

->    erkennbare Tatsachen

->    moralische Verbindlichkeit und Werte

–          Gefühl von Leere und Langeweile (Melancholie)

–          Auseinandersetzung mit Tod, Sinnlosigkeit und Begrenztheit (Vergänglichkeit)

–          gilt als „Modekrankheit“

Beilspiel Hauptmann:

–          unausgefüllt (Leere)

–          Engagement gilt als unpassend (kritisiert Woyzeck)

–          Qual: Zukunft kann nicht gefüllt werden

–          Ewigkeit: als quälender Gedanke

->    Zeit als Bedrohung

–          verliert sich selber als Folge des sinnlosen Suchens

->    eigene Sinnlosigkeit/ keine Funktion

7 Ursachen für den Mord

Hauptmann:

–          behandelt Woyzeck mit Herablassung

->    zieht für sich selbst ein Gefühl der Überlegenheit daraus

–          schürt Woyzecks Verdacht, dass Marie ihn betrügt

->    Woyzeck verliert vollends die Balance

–          Überlegenheit/ Herrschaft/ Dominanz

–          moralische Verwerfung

–          gegen idealistische Gesellschaft

Marie:

–          versteht Woyzeck nicht

–          Selbstsicherheit

–          Mitleid mit Woyzeck

–          fürchtet sich teilweise vor Woyzeck

–          Sorge um ihr Kind

–          Kind ist ungewollt

–          beginnt Woyzeck zu belügen

–          beginnt eine Affäre mit dem Tambourmajor

Doktor:

–          sieht Woyzeck als Objekt (ist von ihm fasziniert)

->    Abwertung

–          verspottet Woyzeck

–          nutzt Woyzeck für seine wissenschaftlichen Forschungen aus

–          demütigt Woyzeck (z.B. als er ihn seinen Studenten präsentiert)

–          sieht Woyzeck als eine Art Experiment

–          unterstellt Woyzeck geistige Schwäche (Woyzecks Geist unterliege seinem Körper)

Tambourmajor:

–          ist der Meinung Woyzeck habe Marie nicht verdient

–          eitel/ überheblich Woyzeck gegenüber

–          demonstriert Woyzeck im Kampf seine physische Überlegenheit

–          wirkt auf Marie anziehend aufgrund seines Standes und seiner sexuellen Potenz

Woyzeck:

–          Eifersucht

–          Isolation

–          wird von niemandem verstanden

–          physische Schwäche

–          agiert ständig aus Zwang

–          leidet unter Wahnvorstellungen

->    psychisch labil

8 Besonderheiten

Dramenfragmente:

–          Drama besteht nur aus einzelnen Szenen und wurde nachträglich zusammengesetzt

–          unterschiedliche Zusammensetzungen der Szenen führen zu unterschiedlichen Motiven für den Mord

->    Eifersucht

->    psychische Labilität/ Psychose

->    gesellschaftlicher Druck

Gebrauch von Märchen und Volksliedern:

–          sämtliche Lieder und Erzählungen im Drama sind negativ

–          Großmutter erzählt am Ende das Märchen vom Sterntaler mit alternativem, katastrophalem Ende

->    Anti-Märchen gibt Vorausschau auf das Ende (Mord/ Katastrophe)

Sprache:

–          Parataxe und knappe, teils unvollendete Sätze oder Gedankengänge

->    Unterstreicht Motiv der Eile, die vorherrscht (Woyzeck rennt stets)

–          Gedankengänge entwickeln sich sprunghaft

–          Gespräche tragen selten zur Handlung bei

–          Dialoge entwickeln sich oft zu Monologen

–          Charaktere reden meist aneinander vorbei

Figuren:

–          Figuren der Unterschicht tragen alle Namen (Woyzeck, Marie, Andres etc.)

–          Figuren der Oberschicht werden nach ihrem Beruf benannt (Hauptmann, Doktor, Tambourmajor etc.)

->    Figuren der Oberschicht scheinen nicht eine bestimmte Person zu repräsentieren, sondern einen ganzen Typus

–          Figuren der Oberschicht reden oft sehr gehoben, jedoch ohne Sinn („Moral, das ist, wenn man moralisch ist“)

–          Woyzeck spricht eine sehr bildliche Sprache (benutzt viele Metaphern)

9 Form des Dramas

–          offenes Drama

–          kein roter Faden, Hauptthema wird jedoch immer wieder aufgegriffen

–          Ablauf von mehreren Handlungen gleichzeitig

–          Fehlen einer Exposition

–          Szenen sind lose miteinander verbunden (andere Aneinanderreihung ist auch möglich)

–          immer wiederkehrende Motive (Tod, Blut)

–          Woyzeck als zentrale Figur tritt in nur 4 Szenen nicht auf

–          mehrere aber wiederkehrende Orte

–          Zeitsprünge

–          große Anzahl an Figuren

–          ständeübergreifend

–          Alltagssprache

Entry filed under: Bibliothek, Deutsch, Lektüren, Schule. Tags: , , , , , , .

Effi Briest Moon Palace

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Kategorien

Fan werden bei Facebook!

Immer über neue Artikel informiert sein? Jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren!

Schließe dich 7 anderen Followern an

Kalender

Dezember 2010
M D M D F S S
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

%d Bloggern gefällt das: