Traumnovelle

Januar 25, 2011 at 6:55 pm 1 Kommentar

Die „Traumnovelle“ ist eine Novelle von Arthur Schnitzler. Sie erschien 1925 kapitelweise in der Berliner Modezeitschrift „Die Dame“. Die erste Buchausgabe kam 1926 im S. Fischer Verlag (Berlin) heraus.
Schnitzler beschreibt in dieser Novelle die scheinbar harmonische Ehe des Arztes Fridolin und seiner Frau Albertine. Unter der Oberfläche werden beide von ungestillten erotischen Begierden und Träumen heimgesucht, die sich durch wechselseitige Entfremdung zu einer Ehekrise auswachsen.
Das Geheimnisvolle dieser Novelle rührt von der Entdeckungsreise ins Selbst her, die Fridolin unternimmt, einen Abstieg in die Tiefen seiner eigenen Psyche, und den Veränderungen in den Beziehungen zwischen Menschen. Sie verkörpert eine Fülle von psychologischer Metaphorik und Symbolismus – vermittelt aber dem Protagonisten in der abschließenden Aussprache die Erkenntnis der Gefährdung ihrer Beziehung durch das Unbewusste und seiner Bewältigung.
(Quelle: wikipedia)

1 Vorwort
2 Novellenaufbau
3 Kennzeichen einer Novelle
4 Aufbau eines Analyseaufsatzes
5 Albertines Traum
6 Traumdeutung nach Freud
7 Impressionismus

1 Vorwort

Die Traumnovelle unterscheidet sich sehr von anderen Lektüren die man im Deutschunterricht lesen muss. Man muss sich nicht mit Schachtelsätzen, außergewöhnlichen Begriffen oder altertümlichen Formulierungen herumschlagen – sprachlich ähnelt die Novelle zeitgenössischen Romanen. Trotzdem beendet man die Lektüre mit einem großen „HÄ?“.
Grund dafür sind der unübliche Spannungsaufbau und das abrupte Ende. So wird bis zu Fridolins Aufeinandertreffen mit der geheimen Gesellschaft stetig Spannung aufgebaut, im weiteren Verlauf des Buches kommt es jedoch nie zum Höhepunkt, das Ende ist mit einem Cliffhanger vergleichbar.
Zudem baut der Autor um jede Figur die Fridolin trifft eine eigene Geschichte auf, welche jedoch nie beendet wird. Man beendet die Lektüre mit vielen Fragen, weshalb es schwer ist ohne weiteres den Gesamtzusammenhang zu verstehen. Im Nachhinein stellt man fest, dass in der Novelle so viel Bewegung ist wie in einer Schneekugel die man auf dem Boden festgeklebt hat.

2 Novellenaufbau

Kapitel Thema Funktion
1 Vorstellung der Protagonisten Vorrausdeutung des Konflikts Rahmenhandlung
2 Aufeinandertreffen: Marianne-Fridolin Beginn der Nachtwanderung
3 Aufeinandertreffen: Mizzi-Fridolin Fortsetzung der Nachtwanderung
4 Aufeinandertreffen: Nachtigall-Fridolin
Aufeinandertreffen: Gibisier-Fridolin
Aufeinandertreffen: Pierrette-Fridolin
Aufeinandertreffen: geheime Gesellschaft-Fridolin
Höhepunkt der Nachtwanderung/ Lust
5 Albertines Traum Höhepunkt des Konflikts Wende
6 Wiederholung der Wanderung Rückkehr zur Realität
7 Beichte Fridolins Blick in die Zukunft Rahmenhandlung

3 Kennzeichen der Novelle

Gero von Wilpert: Kennzeichen der Novelle Nachweis in Schnitzlers „Traumnovelle“
Tatsächliche oder mögliche Einzelbegebenheiten (im Gegensatz zum Märchen) → Erlebnisse finden in der Zwischenwelt zwischen Traum und Wirklichkeit statt; sind grundsätzlich möglich
Ein einziger Konflikt → Ehekrise von Albertine und Fridolin
Geradlinig auf ein Ziel hinführend → alle Ereignisse laufen auf Fridolins Besuch in der Villa bzw. Albertines Traum zu
Ursprünglich geschlossene Form, zur zeit Schnitzlers Hinwendung zur gelockerten, fragmentarischen Form → alle Nebenhandlungen und –figuren sind auf das Ehepaar und seine Krise hingeordnet
Nahezu objektiver Berichtstil ohne Einmischung des Erzählers → auktorialer Erzähler, neutrales Erzählerverhalten; Teile in erlebter Rede bzw. innerem Monolog
Epische Breite und Charakterausmalung wie im Roman → genaue Beschreibung und Ausgestaltung auch der Nebenfiguren wie Nachtigall, Gibisier, Marianne usw.
Rahmen, die dem Erzähler Stellungnahme oder Spiegelung bei den Aufnehmenden ermöglicht → Rahmung der nächtlichen Ereignisse durch Beschreibung des familiären Alltags
Streng tektonischer, dramenähnlicher Aufbau; später gelockert → Gliederung in sieben Kapitel mit klarer Hinführung auf die Höhepunkte in Kapitel 5 und 6
Psychologischer Bereich, Handlung schöpft ihren Gehalt aus dem Seeleninneren → verborgene Wünsche lösen die Ehekrise aus; Schnitzlers Theorie eines „Mittelbewusstseins“ prägt Figuren und Handlung


4 Aufbau eines Analyseaufsatzes

Einleitung

–          Titel, Textsorte, Autor, Entstehungszeit

–          Thema und Inhalt

–          Einordnung der Textstelle in den Kontext des Gesamtwerks

–          Gliederung der Textstelle

Hauptteil

–          Analyse von Erzählhaltung, Figurenkonstellation, Raumgestaltung, Zeitgestaltung, Motiven, Textkohärenz, Beziehung Titel-Thema

–          Untersuchung der sprachlichen Mittel auf der Wort-, Sach- und Bedeutungsebene (morphologische, syntaktische und semantische Ebene)

–          Nachweis stilistisch-rhetorischer, zeit- und genretypischer Gestaltungsmerkmale

Schluss

–          Einordnung in den literaturgeschichtlichen, gattungsgeschichtlichen, biografischen, politisch-sozialen Kontext

–          Zusammenfassung der Ergebnisse und abschließende Deutung

5 Albertines Traum

Textstelle Ort und Zeit Personen Wesentliche Trauminhalte Zentrale Symbole Prägendes Gefühl Albertines
(64/ 9) –(65/ 7) Ort:Zimmer der Villa am WörtherseeZeit:

Ein Tag vor der Hochzeit

AlbertineFridolin ein Tag vor der Hochzeit ist Albertine alleine und ohne BrautkleidVerschmelzung des Zimmers mit Licht und DunkelheitAlbertine und Fridolin fliegen zusammen über das Land

Auf einer Wiese kommen sie sich näher

KleiderZimmer in der VillaHochzeitsreise

Lichtung

EinsamkeitLiebe
(65/11) –(67/ 2) Ort:Wiese/ LichtungZeit:

nicht mehr messbar

→ Ewigkeit

AlbertineFridolinFremder

(Däne)

Es wird Morgen (letzte definitive Zeitangabe)Kleider sind verschwundenFridolin macht sich auf die Suche nach neuen Kleidern

Albertine fühlt eine Stadt

Der Fremde kommt und geht bis er sich nach einem undefinierten Zeitraum zu Albertine legt

KleiderMelodie des Tanzes auf der RedouteDäne

Unendlichkeit

SchwermutEntsetzenScham

Zorn

Ohne Mitgefühl

(67/ 8) –(70/ 3) Ort:Lichtung/ Stadt/ Folter-kammerZeit:

Unzählige Tage und Nächte

AlbertineFridolinFremder

(Däne)

Pöbel

Nackte Paare

Königin

Die Wiese ist voll von nackten PaarenFridolin soll hingerichtet werdenAlbertine weiß um Fridolins Schicksal, fühlt es, kann aber nichts mit ansehen

Fürstin bietet Fridolin Begnadigung im Gegensatz zum Hochzeitsschwur an

(Fridolin lehnt aus Liebe zu Albertine ab)

NacktheitUnerschütter-bare Liebe zu Albertine und Gleichgültig-keit Albertines

Todesstrafe

Unmoralisches Angebot der Königin

Bewusstsein der FreiheitGlückGleich-

gültigkeit

Bewusstsein der eigenen Grausam-keit

6 Traumdeutung nach Freud

Traum:

Ziel: Wunscherfüllung

→ „sinnvolles psychisches Gebilde“

Deutung:

Methode: latenter Trauminhalt muss aus manifestem Trauminhalt „herausgedeutet“ werden

Traumarbeit: manifestiert latenten Trauminhalt

  1. Verdichtung (Beispiel: der Däne ist eine Verdichtung von Albertines Gefühlen)
  2. Verschiebung (Beispiel: die Lichtung in Albertines Traum symbolisiert Schutz, im Traum ist der „Schutz“ nur eine Nebensache, in der Realität ist er umso wichtiger. Bei der „Verschiebung wird die Wichtigkeit bestimmter Dinge vertauscht, bzw. „verschoben“)
  3. Verkehrung ins Gegenteil (Aufhebung von Logik)
  4. Wortlaut (zentrale Begriffe werden durch phonetisch ähnliche Wörter ersetzt.)
  5. Symbolik

Instanzenmodell:

–          Das Über-Ich stellt die gesellschaftlichen Konventionen, also alle Werte und Normen dar

–          Das Ich ist das eigene Bewusstsein

–          Das Es steht für die Triebe und Bedürfnisse

Dargestellt werden können die drei Begriffe in einer Pyramide, wobei das Über-Ich die Spitze, das Ich die Mitte und das Es das Fundament darstellt.

Bedeutung der Traumdeutung für Freud:

–          Träume haben keinen prophetischen Gehalt

–          Träume verarbeiten nichts Erlebtes

–          Träume enthalten intime Botschaften über die Situation des Träumenden (meist durch die Kindheit beeinflusst)

->    Traumdeutung dient der Selbsterkenntnis

7 Impressionismus

Definition:

–          unpräzise/ schwer einzuordnen

–          begann bei der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

–          Übergang vom Naturalismus (Wirklichkeit der Dinge) zum Symbolismus (Traum)

Stil:

–          sprachliche Gestaltung augenblickhafter Empfindungen

–          „Kunst der persönlichen Ausdrucksempfindung“

–          Farben und Licht erfahren große Bedeutung

–          Schilderung der Wahrnehmung der Wirklichkeit wichtiger als Schilderung der Wirklichkeit

–          Stilideal der Detailtreue

–          es werden meist kurze literarische Formen verwendet (Skizzen, Novellen, Einakter)

–          möglichst genaue Wiedergabe persönlicher Eindrücke

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1 Kommentar Add your own

  • 1. Whitney Bablak  |  Februar 9, 2011 um 4:32 pm

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