Vom Vormärz bis zur Revolution von 1848/49

Juni 8, 2011 at 7:35 am Hinterlasse einen Kommentar

Die deutsche Revolution von 1948/49 stellt einen Sonderfall in der europäischen Geschichte dar. Wie kommt es zur Revolution? Was war der Auslöser, was die Ursachen? Und warum scheiterte erneut das Vorhaben einen deutschen Nationalstaat zu gründen?
Die Antworten auf diese Fragen liefert dieser Artikel.

1 Wichtigste Ereignisse im Vormärz
2 Die Revolution von 1848/49
3 Die Nationalversammlung
4 Scheitern der Revolution

1 Wichtigste Ereignisse im Vormärz

Vormärz = Zeitraum zwischen Wiener Kongress 1815 und Märzrevolution 1848

Wiener Kongress (1815):

–     Neudefinierung der Staaten und Grenzen in Europa anlässlich des Sieges der Koalition über Frankreich

–     Leitgedanke: Errichtung eines europäischen Friedens- und Gleichgewichtssystem, welches neuen Revolutionen oder Machtbestrebungen einzelner Staaten entgegenwirken soll

–     Gründung des Deutschen Bundes:

->  föderativer Zusammenschluss aus 41 souveränen Einzelstaaten

->  Preußen und Österreich als dominierende Großmächte (-> Dualismus)

->  sollte als Puffer in der Mitte Europas, zwischen Ost- und West-Mächten wirken

–     es herrschte keine Einigkeit über die Neugestaltung Deutschlands

->  „Deutsche Bundesakte“ wurde als Vorform einer Verfassung gesehen, die aus Deutschland doch noch einen Zentralstaat gemacht hätte

->  Preußen und Österreich als dominierende Kräfte verhindern Verfassungspolitik

–     Beginn der Restauration

 

Im Deutschen Bund entstehen aufgrund der restaurativen Politik „Burschenschaften“:

–          viele Studenten kämpften in den Befreiungskriegen und entwickelten ein starkes Nationalgefühl

->    große Enttäuschung über Beschlüsse des Wiener Kongress (Restauration, kein Nationalstaat)

–          Zusammenschluss in „Burschenschaften“

->    setzten sich für die Abschaffung der Kleinstaaterei und die Schaffung eines gesamtdeutschen Reiches unter einer konstitutionellen Monarchie ein

Wartburgfest (1817):

–          Jenaer Burschenschaft lädt zum 18. Oktober 1817 zu einem „Nationalfest“ auf die Wartburg ein

–          500 Studenten und einige Professoren aus ganz Deutschland nahmen Teil

–     Politische Reden über die Schaffung eines Nationalstaats, patriotische Lieder und ein gemeinsames Festessen

–          pathetisch emotionaler Charakter

–          keine konkrete politische Orientierung oder Zielstellung

Karlsbader Beschlüsse (1819):

–          Resultat der Karlsbader Ministerialkonferenzen vom 6. bis 31. August 1819

–          Reaktion Metternichs auf die Burschenschaften, sowie das immer stärker aufkeimende Nationalgefühl

–          Rechtsnormen der Beschlüsse wurden faktisches Grundgesetz für alle Teile Deutschlands und setzten Bundesakte außer Kraft

–          Verbot der Burschenschaften

–          Pressezensur

–          Einzelstaaten werden zur „Eindämmung“ der National- und Verfassungsbewegungen angehalten (-> Unterbindung revolutionärer Umtriebe)

–          Neuer Staatszweck des Deutschen Bundes: Wachen über die „Sicherheit“ Deutschlands

–          Wiener Schlussakte (1820)

->    Deutscher Bund als Instrument zur „Erhaltung der Ruhe“

->    Einzelstaaten werden unter Androhung von Sanktionen auf monarchisches System eingeschworen

->    Unterdrückung des Mitbestimmungsrechts des Volkes

->    Pressezensur und Polizeigewalt als charakteristische Merkmale der Zeit

Biedermeier (1820-1830):

–          Reaktion des Bürgertums auf die restaurative Politik der Regierung

->    Resignierung

Julirevolution und Novemberaufstand (1830):

–          Juli: Handwerker, Arbeiter und Studenten zwingen den französischen König zum Abdanken

->    endgültiger Sturz der Bourbonen in Frankreich

–          November: erster großer Aufstand der Polen nach dem Wiener Kongress

–          Bildung einer nationalen Regierung mit dem Ziel der Absetzung des russischen Zaren als König von Polen und der Unabhängigkeit Polens

–          Bildung einer nationalen Bewegung schlägt fehl

–          Russische Armee schlägt Aufstand nieder

->    Polen verliert Verfassung und Bürgerrechte werden eingeschränkt

Hambacher Fest (1832):

–          deutsche National- und Verfassungsbewegung bekommt kräftige Impulse durch:

->    Julirevolution in Frankreich

->    Polnischer Freiheitskampf

->    Belgische Unabhängigkeit

–          30000 Menschen kommen auf dem Hambacher Fest zusammen

->    demonstrativ propagierte polnisch-deutsche Brüderlichkeit

->    liberal-demokratische Kundgebungen für ein freies und geeintes Deutschland

–          Forderungen:

  • Beseitigung der Fürstenherrschaft
  • Vereinigte Freiheitsstaaten von Deutschland
  • Konföderiertes republikanisches Europa

–          Fürst von Metternich reagiert 1832-1834 mit Unterdrückungsmaßnahmen

->    Gesetze haben erhebliche Auswirkungen, revolutionäre Kräfte wachsen dennoch

  • Teile des Bildungsbürgertums verschrieben sich der Politik

2 Die Revolution von 1848/49

Ursachen:

–          Friedrich Wilhelm IV. verweigert Verfassung

–          Hartes Vorgehen gegen Regimegegner

–          Soziale Krisen: Massenarmut, Hungersnöte, Arbeiterrevolten, Weberaufstand 1844

–          Wirtschaftskrise 1847

–          Februarrevolution in Paris:

->    Absetzung des Königs

->    Ausrufung der Zweiten Republik

->    „Funke der Revolution“ springt auf Deutschland über

 

„Märzforderungen“:

–          Verfassung und Volksvertretung für Deutschland

–          Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber dem Parlament

–          Presse- und Versammlungsfreiheit

–          Bürgerwehr und Volksbewaffnung

–          Schwurgerichte

–          Abschaffung der Feudalrechte auf dem Land

Ablauf der Revolution:

 

1848

  • Januar:                        Aufstände in Italien
  • 24. Februar: Februarrevolution in Frankreich
  • 27. Februar:    Formulierung der Märzforderungen
  • 13. März:        Märzaufstand in Wien (Metternich flieht)
  • 18. März:       Barrikadenkämpfe in Berlin
  • 18. Mai:         Eröffnung der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche
  • 24. Juni:         Juniaufstand in Paris wird niedergeschlagen

->    Konterrevolution erstarkt

>    29. Juni:          Wahl Erzherzog Johanns zum Reichsverweser

>    26. August:    Vertrag von Malmö zw. Preußen und Dänemark

>    18. Sept.:        Septemberrevolution (Barrikadenkämpfe in Frankfurt)

>    6. Oktober:     Wiener Oktoberaufstand (wird am 31. niedergeschlagen)

->  letzte Erhebung der österreichischen Revolution

>    9. November: Robert Blum wird als Vergeltungsmaßnahme ungeachtet der parlamentarischen Immunität erschossen

>    27. Novem.:   Frankfurter Nationalversammlung verabschiedet die Grundrechte

1849

>    28. März:       Verabschiedung der Paulskirchenverfassung

>    3. April:         Friedrich Wilhelm IV. lehnt die Kaiserkrone ab

->  Scheitern der Reichsverfassung und Auflösung der Nationalversammlung

>    Mai:                Maiaufstände in Teilen Deutschlands

>    18. Juni:         Rumpfparlament als letztes Überbleibsel der Nationalversammlung  wird von württembergischen Truppen militärisch aufgelöst

3 Die Nationalversammlung

Zusammensetzung:

–          585 Wahlkreise (freie, gleiche, geheime Wahl)

–          Persönlichkeitswahl aufgrund des Fehlens von Parteien

->    knapp 600 Abgeordnete

–          fast 80% Akademiker, knapp 10% Wirtschaftsbürgertum, kaum Bauern/ Arbeiter

  • Konservative: Erhalt des Status Quo, monarchische Autorität

(Adel, hohe Beamte, Offiziere, protestantische Geistliche)

  • Katholiken: gegen Laizismus und Liberalismus

(katholische Geistliche, Bürger, Landbevölkerung)

  • Liberale: Schaffung eines Verfassungsstaats mit Grundrechten

(Akademiker, Groß-/Wirtschaftsbürgertum)

  • Demokraten: Errichtung einer Republik, Volkssouveränität, allgemeine Gleichheit

(Handwerker, Händler, einfache Beamte)

  • Sozialisten: Errichtung einer Republik, Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel

(Handwerker, Arbeiter)

Großdeutsch oder kleindeutsch?:

–          Frage nach der Regelung des Staatsgebietes eines deutschen Nationalstaats

  • großdeutsch: Einbeziehung von Deutsch-Österreich, Böhmen, Mähren und Südtirol (deutschsprachige Gebiete)

->    hätte Auflösung Österreich-Ungarns zur Folge

  • kleindeutsch: Zusammenschluss aller deutschen Länder ohne Österreich

->    Preußen als Führungsmacht

Verfassungsentwurf:

–          kleindeutsche Lösung

–          konstitutionelle Monarchie (Erbkaiser)

–          Mischung aus zentral- und bundestaatlichen Elementen

–          „Volkshaus“ als Repräsentant der Gesamtbevölkerung

–          „Staatenhaus“ als Vertreter der Länder

Bewertung der Nationalversammlung:

–          hohes Ansehen aufgrund der demokratischen Legitimierung

–          keine eigenen Streitkräfte (-> auf Fürsten angewiesen)

–          kein Beamtenapparat

–          keine Steuereinnahmen

->    bei Finanzierung und Durchsetzung der Beschlüsse auf Einzelsaaten angewiesen

–          diplomatisch nicht anerkannt

->    trotz provisorischer Regierung keine Machtbasis

Scheitern der Nationalversammlung:

–          durch Annahme des Vertrags von Malmö als Volksverräter abgestempelt

->    Aufstände gegen die Nationalversammlung

->    Keine breite Unterstützung in der Bevölkerung mehr für weitere Aufstände

–          Immer stärkere Polarisierung von Liberalen und Demokraten

–          Machtlosigkeit im Hinblick auf die Gegenrevolution

–          Ablehnung der Kaiserkrone

->    Hinfälligkeit der Verfassung

–          Auflösung durch Militärgewalt

4 Scheitern der Revolution

Aufstieg der Gegenrevolution:

–          Besetzung Wiens durch kaiserliche Truppen

–          Auflösung des Reichstags

–          Erlass einer konservativen Verfassung in Österreich

->    Sieg der Gegenrevolution in Österreich

–     Einmarsch königlicher Truppen in Berlin

–          Auflösung der preußischen Nationalversammlung

–          Erlass einer neuen Verfassung in Preußen

–          Ablehnung der Kaiserkrone

–          Gewaltsame Auflösung der deutschen Nationalversammlung

->    Sieg der Gegenrevolution in Deutschland

Ursachen des Scheiterns:

–          Fehlen ausreichender Machtmittel aufseiten der Revolutionäre

–          Uneinigkeit und geringe politische Erfahrung im bürgerlichen Lager

–          Furcht des Bürgertums vor sozialer Revolution

–          Keine ausreichende soziale Basis in der Masse der Bevölkerung

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Nationalstaatsgedanke und Nationalismus in Europa Imperialismus

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