Imperialismus

Juni 9, 2011 at 9:31 am Hinterlasse einen Kommentar

Nahezu die gesamte Welt teilten die europäischen Mächte in dem Zeitalter das der „Imperialismus“ genannt wird unter sich auf. Etliche Kriege um Kolonien entbrannten, an jeder Grenze herrschten Konflikte. Nachdem das Bismarck’sche Bündnissystem durch dessen Entlassung zerfallen war, wurde das deutsche Kaiserreich zunehmend in die internationale Isolation gedrängt.
Nach den Marokkokrisen kristallisierten sich zwei Machtblöcke heraus, ein krieg schien immer wahrscheinlicher und die Menschen brannten darauf sich gegenseitig ihre Überlegenheit zu beweisen.
Der Imperialismus lenkte direkt in die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts…

 

 

1 Überblick
2 Rechtfertigungsideologien
3 Imperialismustheorien
4 Deutsche Weltmachtpolitik
5 Außenpolitische Isolierung Deutschlands
6 Marokkokrisen

 

 

1 Überblick

allgemein:

–          80er Jahre des 19. Jhd. -> Urkatastrophe des 1. WKs

–          Bestreben europäischer Mächte, sich Besitzungen bzw. wirtschaftl. oder polit. Einflusssphären in der außereuropäischen Welt zu sichern

–          Prozess der herrschaftlichen „Weltaneignung“

Ziele:

–          Ausdehnungsbestrebungen der rasant wachsenden Wirtschaft

–          Suche nach überseeischen Territorien als Rohstoffquellen

–          Versuch durch außenpolitische Erfolge von innenpolitischen Problemen abzulenken

–          Religiöse Missionierung

–          Erschließung neuer Wirtschaftsräume

–          Steigerung des internationalen Prestiges

Herrschaftsformen:

  • direkte Herrschaft:

–          Annexion fremder Gebiete und Entmachtung der bisherigen Herrscher

–          Einsatz einer eigenen, durchs Militär geschützten Regierung (Gouverneure)

  • Indirekte Herrschaft:

–          Abschluss ungleicher Zwangsverträge mit überseeischen Herrschaften

–          Wirtschaftliche Nutzung der Kolonien ohne Verwaltungsaufwand/ -kosten

 

 

 

2 Rechtfertigungsideologien

  • Nationalismus:

–          zunehmender Prestigegedanke (Macht einer Nation hänge von der Anzahl der Kolonien ab)

  • Rassismus/ Sozialdarwinismus:

–          Übertragung der Evolutionstheorie auf gesellschaftliche Verhältnisse

->    Recht des Stärkeren

->    Überlegenheit der weißen Rasse

  • Zivilisatorisches Sendungsbewusstsein:

–          Überzeugung die weißen Kulturvölker hätten den Auftrag die „unzivilisierten Naturvölker“ zu erziehen

 

 

 

3 Imperialismustheorien

  • Ökonomische Imperialismustheorie:

–          Notwendigkeit der Erschließung neuer Märkte und Suche lukrativer Kapitalanlagen

–          Notwendige Folge des „ausbeuterischen Kapitalismus“ (sozialistische Sicht)

  • Sozialimperialistische Theorie:

–          Imperialismus als Möglichkeit von innenpolitischen Problemen abzulenken

–          Kompensation gesellschaftlicher Frustration

–          Dämpfung von revolutionärem Potenzial

–          Stabilisierung herrschender Staats- und Gesellschaftsverfassungen

  • Peripherieorientierte Imperialismustheorie:

–          Imperialismus als Wechselwirkung zwischen Imperialmächten und nicht-europäischen Ländern

->    ökonomische und machtpolitische Interessen aufseiten der Imperialmächte

->    Bereitschaft zur Kollaboration oder zum Widerstand aufseiten der überseeischen Gesellschaften Afrikas und Asiens

 

 

 

4 Deutsche Weltmachtpolitik

–          Deutschland tritt erst nach der Reichsgründung in das koloniale „Wettrennen“ ein

->    Welt schon größtenteils aufgeteilt

–          „Geburtsstunde“: 27. April 1884

->    Bismarck weist an, die Besitzungen Adolf Lüderitz’ in Südafrika unter deutschen Schutz zu stellen

–          meisten deutschen Kolonien sind Schutzgebiete

->    kaufmännische Regierung, Deutsches Reich übernimmt keine Leitungsfunktionen

–          Bismarck pflegt eine sehr defensive Außenpolitik

->    Erschließung von Kolonien steht nicht im Vordergrund

–          Motive Bismarcks:

–          Schutz deutscher Kaufleute in Übersee

–          Ökonomische Entlastung der in einer Krise befindlichen Wirtschaft

–          Begeisterung für Kolonien soll von innenpolitischen Problemen ablenken

–          Koloniale Interessenverbände übten durch sozialökonomische und nationalistische Argumente zur Erschließung von Kolonien innenpolitischen Druck aus

Änderung der deutschen Außenpolitik nach der Entlassung Bismarcks 1890

–          offensive Außenpolitik unter Wilhelm II.

->    Streben nach „einem Platz an der Sonne“ (von Bülow 1897)

–          aggressive, gegen Großbritannien gerichtete Flottenpolitik

–          Propaganda nationalistischer und völkischer Verbände

–          Okkupation von Kiautschou (kleines Gebiet in Ostchina)

–          Erwerb von Gebieten im Pazifik

->    Gebiete wirtschaftlich und strategisch uninteressant (keine Bodenschätze, keine Landwirtschaftlichen Nutzflächen, keine relevanten Absatzmärkte)

 

 

 

5 Außenpolitische Isolierung Deutschlands

–          defensives Bündnissystem Bismarcks kollidierte mit Wilhelms neuer Weltmachtpolitik

->    Aufkündigung des Rückversicherungsvertrages mit Russland (1890)

->    Russland ohne internationalen Partner

->    Annäherung Russlands an Frankreich (Militärkonvention 1892 -> Zweiverband 1894)

->    Eintreten der von Bismarck gefürchteten Zweifrontenlage

  • Veränderung der europäischen Bündniskonstellation nach 1890:

–          Entente Cordiale (1904) (Frankreich – Großbritannien)

->    sollte Interessenkonflikt der Länder lösen, entwickelte sich nach Erster Marokkokrise zu einem Bündnis

–          Erweiterung der Entente Cordiale zur Triple Entente mit Russland (1907)

->    Einkreisung Deutschlands

Bündnissituation vor dem Ersten Weltkrieg:

Triple Entente (GB – F – R)                    gegen              Dreibund (D – ÖU – I)

 

 

 

6 Marokkokrisen

  • Erste Marokkokrise (1905/06):

–          Frankreich beabsichtigt Marokko zu einem Protektorat zu machen

–          Deutschland hofft Entente Cordiale durch Kriegsdrohungen unter Druck zu setzen

->    Deutschland kann Expansionspläne Frankreichs verhindern, wird jedoch nur von Marokko selbst und Österreich-Ungarn unterstützt

->    Sichtbarkeit der zunehmenden Isolierung Deutschlands auf internationaler Ebene

->    Entente Cordiale entwickelt sich zu einem faktischen Bündnis

  • Zweite Marokkokrise (1911):

–          Einmarsch französischer Truppen in Marokko

–          Entsendung deutscher Kriegsschiffe vor die marokkanische Küste

->    Ziel Deutschlands: Abtretung französischer Kolonialgebiete an das Deutsche Reich im Gegenzug für die Anerkennung Frankreichs als Herrscher über Marokko

–          Großbritannien fasst deutsche Aktion als Versuch der Errichtung einer Flottenbasis im Mittelmeerraum zur Beherrschung britischer Seewege auf

–          Deutsch-Britisches Wettrüsten auf dem Höhepunkt

–          Deutschland droht mit einem Krieg, will ihn aber gleichzeitig nicht riskieren

->    deutsche Öffentlichkeit wirft Wilhelm Feigheit vor, Forderung nach Präventivkrieg

–          Marokko-Kongo-Vertrag (November 1911)

->    Akzeptanz der französischen Herrschaft über Marokko im Gegenzug für Teile von Neukamerun

–          weitere Verschärfung der außenpolitischen Isolierung Deutschlands

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Vom Vormärz bis zur Revolution von 1848/49 Das deutsche Kaiserreich

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