Das deutsche Kaiserreich

Juni 10, 2011 at 9:12 am Hinterlasse einen Kommentar

Deutschland wird 1871 endlich zu einem Nationalstaat. Doch kommt die Gründung des deutschen Kaiserreiches nicht vom deutschen Volk aus – es ist eine Reichsgruündung „von oben“. Reichskanzler Otto von Bismarck baut nach außen hin ein komplexes Bündnissystem auf und geht im Reich hart gegen seine Gegner vor.
Wie es zur Reichsgründung überhaupt kam und was darauf folgte, hier im Artikel.

 

1 Die Reichseinigungskriege
2 Die Reichsgründung
2.2 Die Reichsverfassung im Vergleich zum Paulskirchenentwurf
3 Innenpolitik
4 Außenpolitik
5 Person: Otto von Bismarck

 

 

 

1 Die Reichseinigungskriege

  • deutsch-dänischer Krieg (1864):

–          Krieg Preußens und Österreichs gegen Dänemark

->    erfolgreiche Bewährungsprobe des preußischen Heeres

->    Steigerung des deutschen Nationalgefühls

  • preußisch-österreichischer Krieg (1866):

–          Streit um die Gebiete aus dem deutsch-dänischen Krieg

–          Konflikt die Absicht Preußens betreffend, die Führung in Deutschland zu übernehmen

–          Krieg Preußens und norddeutscher Staaten gegen Österreich und süddeutsche Staaten

–          Sieg Preußens

->    Gestaltung Deutschlands nach preußischer Vorstellung

->    Auflösung des Deutschen Bundes und Gründung des Norddeutschen Bundes

  • staatlicher Zusammenschluss Preußens mit nord- und mitteldeutschen Staaten unter Führung Preußens
  • deutsch-französischer Krieg (1870/71):

–          Bismarck wünscht Zusammenschluss mit süddeutschen Gebieten

->    Krieg mit Frankreich soll Nationalgefühl stärken

–          Frankreich empfindet wachsende Macht Preußens als Bedrohung

->    beide Staaten legen es auf eine Konfrontation an

  • Emser Depesche (13. Juli 1870):

–          Bismarck provoziert Frankreich im Streit um die Kandidatur um den spanischen Königsthron durch die absichtliche Kürzung einer diplomatischen Depesche

->    Kriegserklärung

–          Beteiligung der süddeutschen Staaten -> rasche militärische Erfolge

–          Gefangennahme des französischen Kaisers

->    Kapitulation (28. Januar 1871)

 

 

 

2 Die Reichsgründung

Ursachen für die Reichsgründung:

–          Erstarken der liberalen und demokratischen Nationalbewegung durch den wirtschaftlichen Aufschwung

–          Motiv Bismarcks Preußens Führungsrolle in Deutschland zu sichern

->    Beendigung des preußisch-österreichischen Dualismus

  • Verfassungskonflikt (1862):

–          deutsche Einigung unter preußischer Führung barg Konfliktpotenzial:

->    Liberale gegen einen vom konservativen Preußen dominierten Staat

->    Drohende militärische Auseinandersetzung mit Österreich, falls Preußen die Führung über Deutschland übernehmen sollte

  • Bismarck plant Durchsetzung einer Heeresreform:

–          Liberale lehnen konservativ-militaristische Ausrichtung ab

–          Bismarck führt Heeresreform ohne Zustimmung des Parlaments durch (Lückentheorie)

->    Verfassungsbruch

->    Liberale empört, handeln jedoch nicht aus Angst vor Eskalationen

–          Indemnitätsvorlage (1866) nach dem Sieg Preußens über Österreich

->    Antrag auf Schuldlosigkeit, Legitimierung des Verfassungsbruchs von 1862

Reichsgründung (18. Januar 1871):

–          süddeutsche Staaten schließen sich nach Sieg über Frankreich dem norddeutschen Bund an

–          Proklamation Wilhelm I. zum Kaiser im Spiegelsaal von Versailles

–          Reichsgründung (norddeutscher Bund, süddeutscher Bund, Preußen)

 

 

 

2.2 Die Reichsverfassung im Vergleich zum Paulskirchenentwurf

–          Erbkaiser in beiden Verfassungen als Staatsoberhaupt

–          Beide Verfassungen sehen Mitwirkung von Länderregierungen vor (haben 1871 mehr Einfluss)

–          Vormachtstellung Preußens fest verankert

–          Reichstag hat 1871 nur eine schwache Stellung, Dominanz von Fürsten

–          Vergleichsweise fortschrittliches Wahlrecht 1871 (allgemein, gleich, direkt, geheim)

–          1871 gibt es keinen Grundrechtskatalog

->    Rückschritt

–          sehr starke Exekutive 1871, Vormachtstellung Preußens, starke Stellung des Reichskanzlers (Bismarck)

–          Reichskanzler und Kaiser sind 1871 die größte Macht im Staat

->    Obrigkeitsstaat

 

 

 

3 Innenpolitik

  • Kulturkampf:

–          gegen Einfluss der Kirche, Unterordnung der Kirche dem Staat

–          Ursachen: Dogma, Kollision von Staat und Kirche in Ethik- Moral-Fragen

->    Kanzelparagraph: Geistliche dürfen im Amt keine politischen Reden halten

->    Jesuitengesetz: Verbot des aktivsten katholischen Ordens

->    Brotkorbgesetz: Sperrung sämtlicher staatlicher Geldmittel der Kirche

–          Scheitern, da:  Katholiken rückten näher zusammen anstatt sich zu spalten

  • Sozialistengesetz (9. Oktober 1878):

–          Unterdrückung bzw. Verbot sozialistischer und sozialdemokratischer Organisationen

–          Ursachen: Sozialdemokraten waren eine internationale, republikanische und atheistische Partei und hegten revolutionäre Bestrebungen, in der Arbeiterschaft sehr einflussreich

–          Attentate auf den Kaiser (1878) zum Anlass

–          Inhalt:

–          Verbot aller sozialistischen Denkschriften, sowie kommunistische oder sozialdemokratischen Vereine

–          Ermöglichung des Ausrufs eines Belagerungszustandes

–          Scheitern, da: Partei agiert vom Ausland aus; Stimmanteile im Reichstag verdreifachen sich, Parteiverbot wird durch die Gründung von Sportvereinen umgangen

  • Sozialgesetzgebung:

–     Motive:

–          Ausgleich zum Sozialistengesetz

–          Entschärfung der politischen Sprengkraft

–          Abwendung der Arbeiter von der Politik der Sozialdemokraten

–          Besänftigung der Zentrumspartei

–          Gewinnung der Unterschicht für die eigene Politik

->    Sozialversicherungen (Kranken-, Unfall-, Rentenversicherung)

 

 

 

4 Außenpolitik

–          nach Reichsgründung steht der neue Staat vor außenpolitischen Herausforderungen

->    geopolitische Lage -> „Einkreisungsbündnis“ verhindern

->    Frankreichs Revanchepolitik

–          Bismarck erläutert im Kissinger Diktat (15. Juni 1877) seine Bündnispolitik

->  Sorge vor dem „cauchemar des coalitions“ (antideutsche Koalition)

  • Grundsätze der Bismarckschen Außenpolitik:

–     Frankreich: Isolation Frankreichs

–     Bündnisse: Bündnisse mit nahezu allen Nachbarstaaten eingehen

–     Konflikte anderer Mächte: Balkankonflikt (Österreich Russland) fördern

–     Mächtegleichgewicht: Mächtegleichgewicht herstellen aber Konflikte anderer Nationen an den Grenzen schüren

–     Rivalität und Vermittlung: Bismarck als neutraler Vermittler, Kriege möglichst weit weg von Deutschland

  • Bündnissystem:

–          Drei-Kaiser-Bündnis (1873-81, als Drei-Kaiser-Vertrag bis 1887 verlängert)  (Deutschland-Russland-Österreich-Ungarn)

->    Rückenfreiheit im Falle eines Krieges mit Frankreich

->    Umzingelung des Reiches vermeiden

–          Zweibund (1879-1918) (Deutschland-Österreich-Ungarn)

->    Verhinderung einer anti-deutschen Koalition

–          Dreibund (1882-1914) (Deutschland-Österreich-Ungarn-Italien)

->    Isolation Frankreichs

–          Rückversicherungsvertrag (1887-90) (Deutschland-Russland)

(geheimes Neutralitätsabkommen)

->    Verhinderung eines drohenden Krieges (Balkankrise zw. Ö-U und Russland)

 

Kritik an der Außenpolitik:

–          an die Person Bismarcks gebunden

->    Zerfall nach Bismarcks Entlassung

–          enge emotionale Bindung an Österreich

–          Konfliktförderung wirkt sich negativ aus

–          Deutsche Wirtschaftspolitik schädigt Russland

–          Russland unentbehrlich zur Isolation Frankreichs

 

 

 

5 Person: Otto von Bismarck (1815 – 1898)

–          preußischer Junker

–          Protestant

–          Grundkonstanten seiner Politik:

->    Erhalt der Monarchie

->    Schaffung eines deutschen Nationalstaats

->    Aktivistische Außenpolitik (Blut und Eisen)

–          baute durch Reichsgründung von oben seine eigene Macht immer weiter aus (Kanzlerdiktatur)

–          Machtausbau nur innenpolitisch, außenpolitisch für den Status Quo Deutschlands

–          Thronbesteigung Wilhelms II. (1888) ist der Wendepunkt

->    junger Kaiser will selbst in die Politik eingreifen

->    Bismarck wird 1890 entlassen weil er Wilhelm II. nicht alleine regieren ließ und sich der Arbeiterklasse zur „Versöhnung“ annäherte

Entry filed under: Das "lange" 19. Jahrhundert, Geschichte. Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , .

Imperialismus Zweite Industrielle Revolution und Soziale Frage

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Kategorien

Fan werden bei Facebook!

Immer über neue Artikel informiert sein? Jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren!

Schließe dich 7 anderen Followern an

Kalender

Juni 2011
M D M D F S S
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

%d Bloggern gefällt das: