Michail Gorbatschow

Februar 6, 2011 at 12:18 pm Hinterlasse einen Kommentar

Eine detaillierte Biographie gibt es hier.

Aus diesem Grund liste ich hier nicht noch mal Gorbatschows Leben auf, sondern erkläre nur noch einmal die wichtigsten Zusammenhänge und Besonderheiten.

Als Sohn eine Bauernfamilie war es nicht verwunderlich, dass er in seiner Jugend in einer Maschinen-Traktoren-Station gearbeitet hat. Auch wenn die Sowjetunion zum damaligen Zeitpunkt eine Weltmacht war, änderte sich nichts an den allgegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Missständen, die auch später zum Zerfall der UdSSR beitrugen. Eine landwirtschaftliche Ausbildung in jungen Jahren war zu Gorbatschows Zeit Standart.

Trotzdem war Gorbatschow ein besonderer Fall. Man kann zwar davon ausgehen dass ein Jurastudium in der Sowjetunion nicht mit einem Jurastudium heutzutage in Deutschland zu vergleichen ist, aber dennoch kann man mit Sicherheit sagen, dass Gorbatschow durch eben jenes Studium bereits einen besseren Einblick in die damalige Gesellschaft und Politik gewonnen hat.

Gorbatschow machte außergewöhnlich schnell Karriere. So drückte der damals 49-Jährige bei seinem Einzug als Vollmitglied ins Politbüro 1980, den Alterdurchschnitt von 75 Jahren beträchtlich.

Unterstützt wurde er Anfang 1980 von dem damaligen Parteiführer der KPdSU und ab 1983 Staatsoberhaupt der Sowjetunion, Juri Andropow. Dieser hegte den offenen Wunsch, Gorbatschow solle seine Nachfolge antreten.

Nach dessen Tod 1984, gewann die konservative Fraktion um Konstantin Tschernenko an Kraft und wählte ihn zum Generalsekretär der KPdSU. Als ZK-Sekretär für Ideologie-Fragen war Gorbatschow jedoch zweitstärkster Mann in Partei und Staat.

Nachdem Tschernenko nach einer überraschend kurzen Amtszeit 1985 starb, hatte sich Gorbatschow durch die entschiedene Neuformierung der Parteikader den Weg an die Spitze der KPdSU geebnet.

Dass unter Gorbatschows Führung einiges anders laufen würde, zeigte sich bereits sehr früh. So startete er seine Amtszeit mit einer Anti-Alkohol-Kampagne. Schnell kristallisierte sich heraus, was auch seine spätere Politik bestimmen sollte – sein Reformwille war zwar ehrlich gemeint und seine Führung stark, sein Handeln zog jedoch ein großes Ausmaß an Problemen und Fehlern mit sich.

Durch die Anti-Alkohol-Kampagne stieg die Schwarzbrennerei sprunghaft an, die Zuckervorräte wurden fast gänzlich aufgebraucht und den Staatskassen fehlten Milliardenbeträge an Alkoholsteuern. Zusammen mit Gorbatschows Kampagnen zur Steigerung der Arbeitsmoral war bald folgender Satz in aller Munde:

„Wir haben mehr Arbeit und weniger Wodka.“

Gorbatschow trat ein schweres Erbe an. Die UdSSR hatte mit schweren sozialen, wirtschaftlichen und ideologischen Missständen zu kämpfen. Gorbatschow hatte sich zum Ziel gesetzt die Sowjetunion durch Reformen aus der Krise zu holen.

Gorbatschow brach mit der Breschnew-Doktrin die die Sowjetunion in die Isolation gezwängt hatte und entwickelte das Konzept der Glasnost und Perestroika (genaueres hierzu im entsprechenden Artikel).

Bedeutend für die Reformpolitik Gorbatschows war die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Gorbatschow übte offen Kritik an Stalin und den Vergehen der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg.

Das Problem hierbei war, dass auch die einfache Bevölkerung anfing die Politik zu kritisieren. Die marxistisch-leninistische Ideologie war schon lange kein Repressionsmittel mehr – es fiel immer schwerer die Bevölkerung zu kontrollieren.

Die UdSSR bestand, wie der Name schon sagt (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) aus vielen verschiedenen Staaten die nach dem Zweiten Weltkrieg der Sowjetisierung Osteuropas zum Opfer fielen. Die einzelnen Staaten gewannen zunehmend an Autonomie und fingen an sich abzunabeln.

Überhaupt zeigten sich durch jeden politischen Schritt Gorbatschows weitere und größere Probleme und Missstände in der Sowjetunion.

Im Januar 1987 erklärte Gorbatschow vor dem ZK-Plenum dass die Sowjetunion die Demokratie „so nötig wie die Luft zum Atmen“ braucht. Auch wenn Gorbatschow immer wieder beteuerte dass er sich nicht vom Sozialismus abwenden, sondern einen Weg zu einem besseren Sozialismus einschlagen wolle, wuchs der Druck auf den Generalsekretär stetig.

Nach der 19. Parteikonferenz im Juni 1988, auf der Gorbatschow einschneidende Reformen des politischen Systems verkündet hatte, verschärften sich die innerparteilichen Diskussionen so weit, dass der damalige radikale Reformer Boris Jelzin als Moskauer Parteichef abgesetzt wurde.

Neben den politischen Reformen machte sich Gorbatschow an die heruntergekommene Wirtschaft der Sowjetunion. Das planwirtschaftliche System wurde tief greifend umgestaltet und sollte binnen 6-7 Jahren das Niveau der Weltwirtschaft erreichen. Eine soziale Marktwirtschaft kam für Gorbatschow dennoch nicht in Frage und auch an eine Preisreform, die zu einem dringenden Problem wurde, Wagte er sich nicht.

Innerstaatlich konnte Gorbatschow keine Erfolge erzielen, dafür jedoch in der Außenpolitik. Er leitete eine erfolgreiche Entspannungspolitik ein, nahm Verhandlungen mit dem Westen auf und beendete somit den Kalten Krieg, wofür er sogar mit dem Friedensnobelpreis belohnt wurde.

Die außenpolitischen Erfolge wurden als solche in der Sowjetunion nicht anerkannt. Am 14. März 1990 wurde er zwar zum neuen Staatspräsident gewählt, von der Bevölkerung allerdings ausgepfiffen.

In der ganzen Sowjetunion wurden Unabhängigkeitsbestrebungen laut, Gorbatschow musste einen enormen Prestige-Verlust erleiden als er die Separationsbestrebungen der baltischen Staaten blutig niederschlug.

Einer der bedeutendsten Wendepunkte im 20. Jahrhundert wurde der Augustputsch konservativer Politiker und Militärs 1991, den er durch Boris Jelzin zwar überlebte, seine Macht aber gleichzeitig an eben jenen verlor. Im Dezember 1991 trat Gorbatschow vom Präsidentenamt zurück und überließ dem Präsidenten der Russischen Föderation Boris Jelzin die Staatsführung.

Während Gorbatschow im Westen noch heute als Nationalheld verehrt und gefeiert wird, so wird er von seinen eigenen Landsmannen noch teilweise als Vaterlandsverräter abgestempelt. Der dynamische und junge Reformer beendete das kriegsgeplagte 20. Jahrhundert und ebnete den Weg für ein Zeitalter der Demokratie. Das heutige Russland kann noch immer nicht als Demokratie bezeichnet werden, ist jedoch in keiner Weise mit der Sowjetunion des 20. Jahrhunderts zu vergleichen.

Gorbatschow hat durch seine liberale Reformpolitik die Welt verändert, doch sein eigenes Reich zerstört.

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