Die Nationalsozialistische Diktatur

Juni 24, 2011 at 11:05 am Hinterlasse einen Kommentar

Die Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 markierte einen Einschnitt in der deutschen Geschichte. Das Scheitern der Weimarer Republik schien schon in den Jahren zuvor längst besiegelt und nachdem Hitler 1934 die Gestaltung des deutschen Staates nach seinem Gutdünken fertig gestellt hatte, war nichts mehr von einer Demokratie übrig.
Geschickt manövrierte Hitler in den folgenden Jahren Deutschland wieder an die Spitze der europäischen Mächte und direkt in die nächste große Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

 

1 Vorraussetzungen für den Nationalsozialismus
1.1 Ideologie
1.2 Politische Vorraussetzungen/ Scheitern der Weimarer Republik


2 Ende des Rechts- und Verfassungsstaats 1933/34

2.1 Zeitleiste
2.2 Ermächtigungsgesetz
2.3 Doppelstaat
2.4 Diskussion: Legalität der Machtergreifung?


3 NS-Außenpolitik bis 1939

3.1 Zeitleiste
3.2 Wichtige zusätzliche Informationen
3.3 Gründe für das Zögern der europäischen Mächte

 

 

 

1 Vorraussetzungen für den Nationalsozialismus

1.1 Ideologie

  • Wurzeln:

–          seit dem 19. Jhd. existierende Rassenlehre und Antisemitismus

–          Nationalismus der ursprünglich als Integrationsideologie verstanden wurde, sich dann jedoch zu einem integralen Nationalismus entwickelte

–          Militarismus, Staat und Gesellschaft werden militaristischen Erfordernissen unterworfen

–          Obrigkeitsstaatliches Denken, bzw. „Untertanengeist“

 

  • Grundprinzipien:

–          ewiger Kampf um Lebensraum (Expansionsdrang)

–          Naturgesetz: Sieg oder Untergang

–          Erfolg rechtfertigt die Mittel

–          Richtig und gut ist, was dem großen Ziel nützt

  • Elemente:

–          Hitlers Sozialdarwinismus (Übertragung Darwins Erkenntnisse aus der Tierwelt auf die Menschheit (survival of the fittest))

->    Legitimation des „Kampfes ums Dasein“ und der menschlichen „Selektion“

–          Rassenlehre; arische Rasse ist die höchste Rasse, minderwertige Rassen müssen vernichtet werden

–          Antisemitismus; Zuspitzung der Rassenlehre auf die Juden, die die „rassische Reinheit“ bedrohen

–          Nationalismus, Volksgemeinschaft als verschworene Gemeinschaft; Drittes Reich soll der deutschen Nation die historische Vollendung bringen

–          Elitedenken unterteilt Menschen in Arier und Nicht-Arier; „deutsches Volk“ als „Herrenvolk“ soll elitäres Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen stärken

->  „Arier“ und „Deutsch“ werden zu synonymen Begriffen

–          NS-Gewaltprinzip, das „Recht der Stärkeren“ legitimiert Gewalt, Krieg und die „natürliche Selektion“

–          Imperialismus mit dem Ziel des Machtausbaus; Schaffung neuen Lebensraums im Osten; Legitimierung von Krieg und Eroberung

–          Militarismus als Ergebnis des Elitedenkens, des Gewaltprinzips und des Imperialismus (blinder Gehorsam)

 

1.2 Politische Vorraussetzungen/ Scheitern der Weimarer Republik

  • Antidemokratisches Denken:

–          kollektive Entwurzelung nach dem 1. WK

–          Fehlen einer demokratischen Tradition

–          Demokratie als Auflage/ Diktat

–          Antidemokratische Führungsschicht (Kontinuität der alten Eliten)

  • Spaltung der Arbeiterbewegung:

–          falsches Feindbild (Dolchstoßlegende)

–          Unterschätzung der Nationalsozialisten

  • Strukturschwäche der politischen Ordnung:

–          Schwäche des Parlaments

–          reines Verhältniswahlrecht

–          Notverordnungspolitik schaltete Parlament aus

–          Macht des Reichspräsidenten

  • Versailler Vertrag:

–          fehlgeschlagene Revisionspolitik

–          Propaganda der NSDAP

–          Reparationen

  • Ökonomische Krise:

–          Weltwirtschaftskrise

–          Arbeitslosigkeit

–          überforderte Sicherungssysteme des Staates

–          sozialer Abstieg

–          Spar- und Deflationspolitik Brünings

1.3 Krisensituation 1930-33

–          als Folge der Weltwirtschaftskrise 1929 wurden kurzfristig US-Kredite aus Deutschland abgezogen

->    Produktionsbeschränkungen, Bankenzusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit

–          NSDAP und andere republikfeindliche Parteien feiern Wahlerfolge

–          Große Koalition scheitert 1930

->    auf das parlamentarische Regierungssystem folgen Präsidialkabinette

–          Hindenburg entzieht Brüning 1932 nach dessen Deflationspolitik das Vertrauen

–          Innenpolitische Radikalisierung nimmt stark zu

->    Bildung der Harzburger Front (Bündnis der „nationalen Opposition“)

->    Straßenkämpfe: paramilitärische rechte Truppen gegen Anhänger der SPD

–          NSDAP wird nach den Reichstagswahlen vom Juni 1932 zur mit Abstand stärksten Partei im Reichstag

2 Ende des Rechts- und Verfassungsstaats 1933/34

2.1 Zeitleiste

1933

30. Januar:            Ernennung Hitlers zum Reichskanzler; Hindenburg noch 4 Tage vorher dagegen; Hitler ohne Mehrheit

27. Februar:          Reichstagsbrand; wird Kommunisten in die Schuhe geschoben

28. Februar:          Reichstagsbrandverordnung; Dauerzustand des Artikels 48; Außerkraftsetzung der Grundrechte

5. März:                Reichstagswahl; Stimmverlust der NSDAP -> Koalition mit DNVP

21. März:              Tag von Potsdam; Händedruck zwischen Hitler und Hindenburg

-> Propaganda: Vereinigung mit den alten Mächten

24. März:              Ermächtigungsgesetz

März – April:        Gleichschaltung der Länder mit dem Reich

7. April:                Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, Ausschließung der Juden aus staatlichen Berufen per Gesetz

2. Mai:                  Zerschlagung der Gewerkschaften; Verhinderung von politischer Beteiligung; SPD kann nun keine Mitglieder mehr aus Gewerkschaften rekrutieren

16. Mai:                Bücherverbrennung; Werke von Kritikern, Linken, Juden etc.

Mai – Juli:             Verbot bzw. Selbstauflösung von Parteien; Ähnlich der Zerschlagung der Gewerkschaften

14. Juli:                 Gesetz gegen die Neubildung von Parteien; NSDAP wird Staatspartei

14. Juli:                 Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses; Zwangssterilisierung

20. Juli:                 Konkordat mit dem Vatikan; Kirche zieht politischen Einfluss zurück; Hitler geht nicht weiter gegen die Kirche vor (Abkommen)

1. Dezember:        Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat

1934

14. Februar:          Gesetz über die Aufhebung des Reichsrates

30. Juni –

30. Juli:                 Röhm-Putsch; Vernichtung der SA; Hinrichtung Röhms; Hitler übernimmt Judikative

20. Juli:                 Erlass über die Bildung der SS

1. + 2. August:      Gesetz über das Oberhaupt des Reiches; Tod des Reichspräsidenten; Vereidigung der Wehrmacht auf Hitler

2.2 Ermächtigungsgesetz

  • Art. 1

–          Reichsgesetze ohne Beteiligung des Reichstags von der Regierung beschließbar

->    Exekutive (Reichsregierung) bekommt legislative Kompetenz

->    Umgehen der Legislative

->    Gewaltenteilung wird somit aufgelöst

->    Reichsregierung unter Hitler erhält somit u.a. freie Verfügungsgewalt über Finanzen

  • Art 2

–          Reichsgesetze können von Verfassung abweichen

->    Legalisierung von Verfassungsbruch und Außerkraftsetzung der Grundrechte

->    Ende der Verfassung

  • Art 3

–          Ausfertigung der von der Reichsregierung beschlossenen Gesetze durch den Kanzler

->    Interpretationshoheit für den Reichskanzler (Machtzuwachs)

  • Art 4

–          außenpolitische Verträge ohne Zustimmung von Reichstag und -regierung möglich

->    Ausschaltung der außenpolitischen Kompetenzen der Legislative (Ergänzung zu Art 1)

  • Art. 5

–          zeitliche Begrenzung auf 4 Jahre bzw. bei Ablösung der gegenwärtigen Regierung

->    suggeriert temporären Charakter der Maßnahmen

->        Ausschaltung des Parlaments/ der Legislative

->         Bündelung von innen- und außenpolitischer Legislativgewalt in den Händen der Exekutive

->         Scheinlegalität

->         das Ermächtigungsgesetz zeigt typische Kennzeichen des so genannten Doppelstaats

2.3 Doppelstaat

  • Normenstaat:

–          Gesetze und Regeln werden respektiert

  • Maßnahmenstaat:

–          Gesetze werden durch gesetzlich nicht begründete Maßnahmen umgangen

 

 

 

2.4 Diskussion: Legalität der Machtergreifung?

–          Legalität der nationalsozialistischen Machteroberung ist eine Legende

–          Zwar „Legalitätseffekt“, jedoch nur Teil einer endlosen Serie von Gesetzes- und Verfassungsbrüchen

–          Nationalistische Aufbruchsstimmung auf der einen Seite und brutaler Terror gegen Oppositionelle unterstützen die neue Regierung

–          Reichstag wurde entmachtet, Parteien verboten

->    Grundlegende Veränderung der politischen Landschaft

–          Rechtsstaat war zertrümmert, die Bürger Opfer von Willkür

–          Alte Machteliten wurden in abhängige Funktionseliten umgewandelt

->    neue soziale Machthierarchie

–          charismatischer Hitler übernimmt Führerrolle in einer neuen Religion

->    Hitler als politischer Messias

–          plebiszitäre Zustimmungen führen zur eigenen Entmündigung

–          Wiedergewinnung des alten Machtstatus soll Freiheitsverlust ausgleichen

 

 

 

3 NS-Außenpolitik bis 1939

3.1 Zeitleiste

zur besseren Ansicht: HIER

Datum

Ereignis

Beschreibung

Motiv Hitlers

1933

Austritt aus dem Völkerbund Deutschland wurde als Kriegsverlierer erst 1926 aufgenommen

Mitgliedsstaaten gegen militärische Gleichberechtigung Deutschlands-> wird als willkommener Grund für einen Austritt benutzt

Umgehung internationaler Kontrollen und Rüstungsbeschränkung(führt gleichzeitig zu einer zunehmenden Isolation Deutschlands)

1934

Deutsch-polnischer Nichtangriffspakt Soll eine friedliche Lösung zukünftiger Streitfragen garantieren Verhinderung eines Zwei-Fronten-Krieges

Propagandistische Ausschlachtung und Schlag gegen Frankreichs kollektive Sicherheitspolitik

1935

Volksabstimmung im Saarland Versailler Vertrag sah Abstimmung für 1935 vor

Starke mediale Präsenz der „Deutschen Front“90,7%  für Rückgliederung

Rückgewinnung der alten Gebiete (Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg)

1935

Einführung der allgemeinen Wehrpflicht Verkündung einer deutschen Luftwaffe und Wiederaufnahme der Allgemeinen Wehrpflicht

„Wehrmacht“ soll bis 1939 kriegsfähig sein

Verkündung sich nicht an Rüstungsbeschränkungen zu halten

Aufbau eines neuen HeeresMilitär soll bis 1939 in Kriegsbereitschaft versetzt werden

1935

Deutsch-britisches Flottenabkommen Reaktion GBs auf die Aufrüstung Deutschlands

Flottenverhältnis wird festgelegt (35 zu 100)

Hitler hegt Hoffnung auf ein lang ersehntes Bündnis mit GB

1936

Besetzung des Rheinlandes Mit Verweis auf das deutsche Selbstbestimmungsrecht besetzen deutsche Truppe das Rheinland

Westmächte kritisieren nur, von einem direkten Eingriff wird abgesehen

Rückgewinnung der alten Gebiete (Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg)

1936

Spanischer Bürgerkrieg Unterstützung spanischer Putschisten im Bürgerkrieg

Erster Auslandseinsatz der deutschen Wehrmacht

Erprobung der neuen Wehrmacht

Stärkung des Faschismus in Europa

Verbesserung des Verhältnisses zum faschistischen Spanien

1936

Antikomintern-Pakt Antikommunistischer Vertrag mit Japan, besonders im Hinblick auf die Sowjetunion Bündnissuche

Isolierung der Sowjetunion

1936

Vierjahresplan Wirtschaft und Armee sollen innerhalb von 4 Jahren kriegsbereit sein

Eingriff des Staates in die Wirtschaft

Schaffung von Arbeitsplätzen

Treffen von Vorbereitungen auf einen Krieg

1937

Hoßbach-Protokoll Existenz nicht 100%ig bewiesen

Hitler bietet Einblick in seine Außenpolitischen Ziele:

– die deutsche Raumnot sei nur durch einen Krieg zu lösen, der 1943/44 geführt werden sollte

1938

Anschluss Österreichs Hitler übt Druck auf die österreichische Regierung aus

Wehrmacht marschiert in Ö ein

Knapp 100% stimmen bei Volksabstimmung für Anschluss an Deutschland

Wiederherstellung von „Großdeutschland“

Übernahme der österreichische Wirtschaft

1938

Münchener Viermächtekonferenz Hitler will Tschechoslowakei und kündigt Einmarsch an

Um Krieg zu verhindern „geben“ ihm die Westmächte das deutschsprachige Sudetenland

Rückgewinnung der alten Gebiete (Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg)

1939

Protektorat Böhmen-Mähren Slowakei erklärt Unabhängigkeit von der Tschechei

Hitler drängt Tschechei einen Protektoratsvertrag auf

Rückgewinnung der alten Gebiete (Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg)

1939

Hitler-Stalin-Pakt Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt, dem ein Grenz- und Freundschafts-Vertrag folgen Verhinderung einer geplanten „Großen Allianz“ der Westmächte mit der Sowjetunion gegen Deutschland

Hitler sieht die Verträge als nicht bindend an

 

 

 

3.2 Wichtige zusätzliche Informationen

–          bis 1935 führt Hitler vorwiegend Revisionspolitik (Umgehung der Kontrollen, Wiederaufrüstung)

–          die Wiederaufrüstung hatte bereits in der Weimarer Republik heimlich begonnen, Hitler führt sie nach seiner Machtergreifung stetig voran und greift mit dem Vierjahresplan sogar direkt in die Wirtschaft ein

–          nach 1935 steht die Expansionspolitik klar im Vordergrund, Hitler fügt Stück für Stück alle alten Gebiete Deutschlands vor dem Ersten Weltkrieg dem Dritten Reich wieder hinzu

–          die Reaktionen des Westens auf das Nichteinhalten der Rüstungsbeschränkungen und die Annexionen von Gebieten fallen nur sehr gemäßigt aus

–          Frankreich fühlt sich in seiner kollektiven Sicherheitspolitik durch Deutschland bedroht und provoziert, kann jedoch nichts unternehmen, weil es keine Unterstützung besitzt

–          Italien erklärt nach der Besetzung des Rheinlandes sich aus internationalen Angelegenheiten herauszuhalten

–          Großbritannien hängt an seiner Appeasement-Politik (Politik der Beschwichtigungen, Zugeständnisse und des Entgegenkommens) und glaubt bis 1939 einen drohenden Krieg durch Zugeständnisse (Sudetenkrise) abwenden zu können

 

 

 

3.3 Gründe für das Zögern der europäischen Mächte

–          wirtschaftliche Schwächung, vor allem Frankreichs und Großbritanniens, durch die Weltwirtschaftskrise

–          Rüstungsrückstand gegenüber Deutschland

–          Verständnis für die deutsche Forderung nach Revision des Versailler Vertrages aufseiten Großbritanniens

–          Konflikte in den Kolonien

–          Erhebliche Schwächung der Roten Armee durch Stalins „Säuberungen“ im Offizierskorps

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Erster Weltkrieg Zweiter Weltkrieg und Völkermord an den europäischen Juden

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